India - Diary

Mein Online-Tagebuch zu meinem Fachhochschul-Praxissemester in Indien bei der Firma "DaimlerChrysler Research and Technology India Private Ltd."

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DIE WELT: Teheran streicht Gasgeschäft mit Indien wegen Atomstreits - von Sophie Mühlmann

alex | 29 September, 2005 10:16

Singapur - Der Iran hat ein lukratives Gasgeschäft mit Indien platzen lassen. Grund für den gescheiterten 22-Milliarden-Dollar-Deal sei die indische Position im Streit um das iranische Atomprogramm, berichtete Indiens führende Tageszeitung "The Hindu" gestern.


Neu-Delhi hatte bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am vergangenen Samstag überraschend für eine Resolution gestimmt, durch die das Nuklearprogramm des Iran vor den UN-Sicherheitsrat gebracht werden kann - trotz traditionell enger Beziehungen zu Teheran. Die Entscheidung sei dem indischen Vertreter vom iranischen Botschafter bei der IAEA in Wien übermittelt worden, so die Zeitung. "Damit", schreibt das Blatt, "hat Indiens Energiesicherheit einen herben Rückschlag erhalten." Am Dienstag erst hatte der iranische Außenamtssprecher Hamid Resa Assefi erklärt, sein Land erwäge Handelseinschränkungen mit den Staaten, die für die Resolution gestimmt hätten.

Im Außenministerium in Neu-Delhi leugnete man gestern schnell eine Verschlechterung der "dauerhaften und extensiven" Beziehungen zum Iran. Im Juni erst hatten die beiden Länder einen Vertrag darüber abgeschlossen, daß Indien vom Jahr 2009 an 25 Jahre lang jedes Jahr fünf Millionen Tonnen iranisches Flüssiggas importieren sollte.

Der asiatische Subkontinent hat einen immensen Energiebedarf. Im Jahre 2010, so eine Schätzung, wird das Land 34 Milliarden Kubikmeter Gas benötigen. De Iran liefert fünf Prozent des indischen Rohöls. Beide Länder haben jüngst ihre Militärkooperation ausgebaut und planen zusammen mit Islamabad seit 1994 ein gemeinsames Projekt für eine 2700 Kilometer lange Gaspipeline quer durch Pakistan. Daher kam die plötzlich so harte Haltung Indiens gegenüber dem iranischen Atomprogramm für viele überraschend.

Seit dem Wochenende muß die indische Regierung nun ihre Position verteidigen: man habe sich keinem Druck der USA gebeugt, beteuert Neu-Delhi. Washington hatte der indischen Regierung ausdrücklich für ihre Stimme gedankt, und doch leugnet diese rundweg, ihre Entscheidung habe etwas mit dem kürzlich abgeschlossenen Atomabkommen zu tun. Beim Besuch des indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh im Juli in Washington hatte US-Präsident Bush Amerikas volle Kooperation bei der Entwicklung eines zivilen indischen Nuklearprogramms versprochen. Das Verhältnis zwischen den USA und der aufstrebenden asiatischen Supermacht war so rosig wie selten.

Doch nun fordert Washington offenbar Freundschaftsdienste ein. Tom Lantos, ein prominenter Vertreter der Indien-Lobby in Washington, brachte es Anfang September auf den Punkt: "Indien muß sich entscheiden, auf welcher Seite es steht: mit den Terror-Ayatollahs in Teheran oder mit den Vereinigten Staaten." Und auch Außenministerin Rice hatte kürzlich Rußland, China und Indien aufgerufen, die amerikanische Forderung nach einem Ende des iranischen Atomprogramms zu unterstützen. Damit bringen die USA Singh in eine schwierige Lage.

Es gibt durchaus Stimmen in Indien, die ein Zerwürfnis mit Teheran nicht allzu schade finden: Der Iran habe zum Beispiel nie Indiens Position in Kaschmir akzeptiert, mehr noch, der Iran habe sich gar in den ersten Jahren der Teilung auf die Seite Pakistans geschlagen. Doch diese Stimmen sind in der Minderheit. Die Opposition und auch der linke Flügel der Regierungskoalition kritisieren den Premierminister heftig, weil er sich auf die Seite Amerikas geschlagen und den alten Verbündeten Iran fallengelassen habe.

Artikel erschienen am Do, 29. September 2005 in "Die Welt" im Internet

www.welt.de Artikel: http://www.welt.de/data/2005/09/29/782065.html (Stand 29.09.2005, 13:49 MET+5.5)

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