India - Diary

Mein Online-Tagebuch zu meinem Fachhochschul-Praxissemester in Indien bei der Firma "DaimlerChrysler Research and Technology India Private Ltd."

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9 Tage Trip durch Kerala

alex | 20 November, 2005 08:58

So, da bin ich wieder. Ich hab mal angefangen die Erlebnisse meines Kerala-Trips aufzuschreiben... Ist noch nicht ganz fertig und ich muss auch noch die Bilder hochladen, aber der Anfang ist geschafft.


28.10.2005 - Abflug
Am Freitag sind wir früher von der Arbeit heim, haben alles restliche zusammengepackt und haben uns zum Airport Bagalore fahren lassen. 4 Leute, 4x Gepäck und nur 2 Rikschas... Voll beladen bis oben hin.
Unser Flug sollte 5 nach 4 gehen. Daraus wurden aber rund 2h mehr weil die Flüge IMMER ALLE Verspätung haben und je später ein Flug geht desto mehr kumulieren sich die Verspätungen auf.
Unser Flieger war ein kleiner Flieger. Eine zwei-motorige Propellermaschine. Sitzplätze durften wir uns frei aussuchen. Passenderweise hab es ganz vorne noch Platz für 4 Personen, ähnlich wie in einem größeren Bus oder auch im Zug: Zwei sitzen zwei gegenüber. War optimal, so konnten wir den Flug über genug quatschen.
Ach ja, ich hab ja noch gar nicht erwähnt wohin es genau ging. Der Flieger ging nach Cochin welches an der West-Küste Indiens im Staat Kerala liegt.
Da unser Flug ja wie gesagt gut 2h Verspätung hatte war es in Cochin auch schon richtig dunkel. Wären wir pünktlich geladent wärs vermutlich noch 'n bisschen hell gewesen und wir hätten noch was von der Gegend gesehen. Nun ja. Im Reiseführer "Lonely Planet - India" haben wir ein nettes Hotel gefunden das auch 4 Bettzimmer für knapp 500 Rupien pro Nacht anbietet. Also nix wie hin. Am Flughafen gibts sogenannte PrePaid-Taxis mit denen man im Normalfall sein Ziel am einfachsten erreicht. Da unser Fahrer aber so gut wie kein Englisch konnte sind wir, nach rund 30km Fahrt, in Cochin umher geirrt und haben das Hotel gesucht. Gesucht gefunden: Ein kleines und schlichtes, jedoch sehr sauberes Zimmer mit einem Bad direkt angeschlossen, ein zweites kurz vor der Tür.
Wir haben unsere Gepäck abgestellt, uns kurz frisch gemacht und sind noch etwas essen gegangen. Zwei Strassen weiter gab es ein kleines Straßenrestaurant wo man draußen sitzen konnte. Zu essen gabs wie immer indisch "Butter Chicken" mit einem Veg-Rice (vegatarischer Reis) und ein King-Fisher Bier. Das lustige war: Wir wurde aufgeklärt dass wir das Bier aus Tee-Krügen und Tee-Tassen trinken müssten da das Restaurant keine Bier-Ausschankgenehmigung hat. Naja, Bier is Bier, vor allem indisches. Todmüde sind wir danach ins Bett, mit dem festen Vorsatz: Morgen gehts an den Strand.

29.10.2005 - Entdeckungstour Fort Cochin
In aller Frische sind wir am Tag darauf aufgestanden, haben Badesachen eingepackt und haben den Strand gesucht, von dem man uns sagte dass er nicht "badefähig" sei. Egal, wir schauens und an. Unterwegs haben wir traditionell chinesische Fischernetze gesehen und haben die Fischtechnik unter die Lupe genommen: Primitiv, aber doch genial: Das große Netz wird ins Wasser runtergeklappt und nach wenigen Minuten wieder hinaufgezogen. Das erfordert Muskelkraft. Nicht umsonst hängen da mehrere Männer an den Gegengewichten. Den "Strand" haben wir dann auch gefunden, und der war wirklich nicht zu benutzen da er a) nicht aufgeräumt und von Seegut befreit war und b) mit Abfall bespickt war. Also doch erstmal frühstücken und dann schauen wie es weiter geht. Während dem Frühstück haben wir im Lonely Planet vom "Cherai Beach" gelesen der rund 20km von Fort Cochin (wie unser Ort genauer hieß) entfernt lag. Wir haben uns schließlich eine Rikscha genommen. Für ~350 Rupien (ich glaub es waren 350, nagelt mich nicht drauf fest) sind wir mit der Rikscha zum Cherai-Beach und später wieder zurück. Der Rikscha-Fahrer hat solange gewartet. Der Strand am Cherai-Beach war kilometerlang. Zumindest war in beiden Richtungen kein Ende in Sicht. Der Sand war schon ziemlich fein. Trotz dass er recht "belebt" war war es doch ein idyllischer Ort. Ich bin mit Gerry dann gleich ins Wasser. Keine 5min später hat mich eine für mich zu große Welle umgehauen und mitgespült. Für mein Schädelweh das ich schon den ganzen Tag mit mir herumgetragen hab war das dann zuviel. Ich bin dann wieder raus aus dem Wasser, hab mir ein Handtuch über den Kopf gehängt und hab das Rauschen des Meeres genossen. Gerry und die Mädels waren dann "Wellenkämpfen". Also gezieltes "Kopfüber in die brechende Welle springen". Als Tourist ist man in Indien am Strand schon eine Touristenattraktion, vorrausgesetzt man geht davon aus dass die neugierigen Inder auch nur auf Urlaub/zu Besuch hier waren. Gleich zwei Gruppen mit jugendlichen und Studenten kamen angesprungen und wollten wissen woher wir kamen, was wir hier machen, wie lange wir noch bleiben, und wo wir noch hin wollen. Eine Weile später kam ein wildfremdes indisches Ehepaar und wollte mit uns zusammen ein Foto machen. Mit heller Haut und Badehose am Strand ist man hier voll die Attraktion.
Auf dem Heimweg musste wieder einer vorne beim Rikschafahrer sitzen. Und wie es der Zufall so wollte war das wieder ich. Nach wenigen Kilometern fragte mich der Fahrer ob ich fahren wolle. Naja, von mir aus. Kann ja nicht so viel anders sein als Motorradfahren. Und das war's auch nicht. Mit dem einzigsten Unterschied dass der Motor ja absolut überhaupt gar keine Leistung brachte und man lange im vorraus planen musste, wann man wo vom Gas geht um danach wieder auf Touren zu kommen.
Wieder zurück in Fort Cochin gabs wieder Abendessen und der morgige Tag der Weiterreise wurde geplant. Mit dem Rikschafahrer haben wir ausgemacht dass er uns früh morgens abholt und zum Busbahnhof nach Ernakulam fährt von wo aus wir weiter nach Munnar zu den Tee-Plantagen wollten.

30.10.2005 - Reise nach Munnar zu den Tee-Plantagen
Früh morgens, es war noch Nacht sind wir pünktlich aufgestanden und haben auf den Rikschafahrer gewartet. Doch der Hund kam nicht, was ein Problem darstellte: Der Bus nach Munnar wartet ja nicht auf uns... Also gings drum ein Taxi zu organisieren. Diana, Gerrys Freundin hat dann bei Gott und der Welt angerufen doch keiner wusste so wirklich bescheid. Nach einer - keine Ahnung wie lange es wirklich gedauet hat, jedenfalls war es lang - Zeit hatten wir einen Taxiservice an der Leitung und der versprach auch schnellstmöglich zu kommen. Und so war es dann. Ab mit dem Taxi nach Ernakulam zum Busbahnhof.
Für die die noch keinen Bustrip mit staatlichen indischen Bus gemacht haben war die Ernüchterung groß. Schäbige alte Busse, ohne Fenster, Türen die nicht richtig schlossen ... Es hat alles irgendwie heruntergekommen gewirkt was daran lag daß es heruntergekommen war. Naja. In der Hoffnung doch noch einen privaten Bus zu finden der unserem Zeitplan und Preisvorstellung entsprach ist Gerry losgezogen und hat einen Rikschafahrer gesucht der uns zu den privaten Bussen fährt. Gesagt getan, wir sind mit der Rikscha quer durch Ernakulam gedüst und haben schließlich auf einer verlassenen Straße auf der nur 2 Busse standen halt gemacht. So arg viel vertrauenserweckender sahen die auch nicht aus, aber sie haben in den Zeitplan gepasst. Und zudem waren die noch leer. Wir konnten uns die Plätze also noch frei aussuchen. Stunden später waren wir mitten zwischen Ernakulam und Munnar in irgendeiner gottverlassenen, von der Zivilisation scheinbar abgetrennten Gegend und mussten umsteigen. Also mitten im Nirgendwo. Geile Sache. Sogut wie keiner spricht Englisch, die Schilder in den Bussen sind auf Hindi. Das einzigste was wir wussten: Da kommt irgendwann ein Bus, von dem wir nicht wussten wie er aussieht, was darauf steht und wann er kommt. Alles was wir wussten war: Da kommt einer und der fährt nach Munnar weiter. Also haben wir jeden Busfahrer der mit seinem Bus eingetroffen ist angequatscht: "Munnar?", "No" .. Cool. Abwarten und Tee trinken. Ach ja, ich vergaß, es hat auch noch geregnet :-)
Schätzungsweise 30min später kam dann endlich einer der meinte er fährt weiter nach Munnar. Also, Gepäck rein und Abfahrt. Man muss den Busfahrern schon viel Mut zusprechen. Die heizen mit den Bussen, mit total heruntergekommenen Bremsen (es hat bei jedem Bremsen nach heissem Metall gestunken. Die Bremsbeläge waren schätzungsweise schon vor 200.000 km weg gebremst), einem marodem Fahrwerk, schlecht runderneuerten Reifen bei denen sich das Profil schon sichtbar ablöst die Berge rauf.. Ich muss da mal Sebastian zitieren: "Da wär ich selbst mit einem BMW X5 nicht so um die Kurven geheizt".
Nun ja, wir sind heil angekommen. Zwar etwas gerädert und gut durchgeschüttelt, aber wir haben es geschafft.

< to be continued >

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